Höhlenbrüter

Im Naturpark Hirschwald wurden Ende März bis Anfang April 2020 als Artenhilfsmaßnahme für spätziehende Höhlenbrüterarten wie Wendehals, Gartenrotschwanz und Wiedehopf Vogelkästen aufgehängt. Für die beiden erstgenannten Arten kamen Standardkästen aus dem Handel zum Einsatz, aber für den Wiedehopf fertigten die Jurawerkstätten Amberg-Sulzbach nach Plänen des Gebietsbetreuers Rudolf Leitl spezielle Kästen an.

Die Standortwahl wurde in Absprache mit dem Landschaftspflegeverband Amberg-Sulzbach und den beiden Gebietsbetreuern durchgeführt. Naturpark-Ranger Nelhiebel hat zu den jeweiligen Grundstücksbesitzern Kontakt aufgenommen und die Genehmigung zur Anbringung der jeweiligen Kästen eingeholt. Dabei hat er fast durchweg positive Rückmeldungen von den Grundstücksbesitzern erhalten. Die Aufhängung übernahm ebenfalls Ranger Nelhiebel, teilweise mit Hilfe von Naturpark-Ranger Rudolf oder unserem Praktikanten Herrn Gnatz. Alle Kästen wurden per GPS eingemessen. Naturpark-Ranger Nelhiebel wird in den kommenden Wochen (und natürlich in den nächsten Jahren) ein Monitoring anschließen, um die Besiedlung der Kästen zu prüfen. An einem Standort konnte schon während des Aufhängevorgangs in unmittelbarer Nähe ein Wendehals gesichtet werden.

Foto: Wiedehopfkasten (c) Jonas Nelhiebel, Naturpark HIrschwald

 

Erfolgreicher sozialer Wohnungsbau

Juni 2020: Das Artenhilfsprojekt für den Wendehals (Jynx torquilla) im Naturpark Hirschwald zeigt erste Erfolge.  

Eine lange Tabelle mit vielen Daten wird auf dem Laptop von Naturpark-Rangers Jonas Nelhiebel angezeigt. Daten wie „Ausrichtung“, „Lebensraumtyp“ oder „Kastennummer“ sind zu lesen. Auf eine Nummer ist der Ranger besonders stolz und zeigt auf die Tabelle. „In diesem Nistkasten war der erste Bruterfolg sofort am ersten Tag des Monitorings drin! Da war ich natürlich wahnsinnig froh!“ Nelhiebel strahlt; er ist sichtbar zufrieden. Kein Wunder, denn die Vogelart, für die der Naturpark Hirschwald ein Artenhilfsprojekt auf den Weg gebracht hat, ist in Bayern mittlerweile vom Aussterben bedroht. Sehr erfreulich, dass im ersten Jahr gleich acht Bruterfolge in den vom Naturpark ausgebrachten Kästen erzielt wurden.

Mit etwa 17 Zentimetern liegt die Körperlänge des Wendehalses deutlich unter der einer Amsel. Aber der Vogel wäre ohnehin schwer zu erkennen. Mit seinem Gefieder ist er perfekt getarnt – er ähnelt stark dem Aussehen der Baumrinde. Während der Balzzeit fällt er an seinen auserwählten Gebieten mit einem ausgiebigen Balzgesang, dem „wie wie wie wie wie“ auf. Sobald die Vögel brüten, sind sie allerdings meist still. Der Wendehals ist der einzige heimische Specht, der im Süden überwintert. Er überfliegt dafür die Sahara bis nach Mittelafrika. Eine sehr gefährliche Reise, auf der viele Individuen ihr Leben lassen. Außerdem kann der Wendehals keine eigenen Höhlen zimmern, weshalb er dazu gezwungen ist, auf verlassene Baumhöhlen anderer Spechtarten oder Nisthilfen auszuweichen.

Im März hatten die Ranger des Naturparks im gesamten Gebiet knapp drei hundert Nisthilfen für höhlenbewohnende Vogelarten installiert. „Freilich mit einer Tendenz an Plätzen, die der Wendehals gut findet“, ergänzt Nelhiebel. Die Nisthilfen wurden sowohl auf öffentlichen, als auch auf privaten Flächen errichtet. Bei den privaten Flächen war die Einwilligung von 35 Parteien notwendig, die dem Projekt allesamt zugestimmt hatten. „Ohne das grüne Licht von den privaten Grundstücksbesitzern wäre das Projekt gescheitert noch bevor es richtig losgegangen ist.“

„Bei einem so selten gewordenen Vogel unterstützt man natürlich nebenbei auch noch viele weitere, häufigere Arten“. Jonas Nelhiebel und Fachpraktikant Alexander Gnatz, der für ein 20-wöchiges-Praktikum im Zuge seines Studiums im Naturpark tätig ist, haben alle 300 Nistkästen geöffnet. Für das Öffnen ist eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung der höheren Naturschutzbehörde erforderlich, die der Ranger extra dafür erhalten hat. „Wir wollen die Tiere natürlich nur so wenig wie möglich stören. Ganz vermeiden lässt es sich nicht. Das heißt wir öffnen nur kurz und verschaffen uns ein Bild über den Bestand und zählen die Eier oder die bereits geschlüpften Jungvögel und machen den Kasten sofort wieder zu.“ erklärt der Ranger. „Beim Öffnen der Kästen haben wir auch so manche Überraschung erlebt. Denn neben der Zielart, dem Wendehals, waren auch Siebenschläfer, Fledermäuse, Meisen und Wespen in den Kästen.“ Insgesamt waren nur zwei Kästen komplett leer. Das zeigt, dass es in der Vogelwelt einen unheimlichen Bedarf an diesen Brutplätzen gibt.

Das Wendehalsprojekt im Naturpark Hirschwald steht nun auch in den nächsten Jahren in der Aufmerksamkeit des Naturpark-Rangers. Die heuer erhobenen Daten werden nun ausgewertet. „Mal sehen, ob wir vor der nächsten Brutsaison noch weitere Nistkästen ausbringen können. Ideen dafür hätte ich schon.“ kommentiert Nelhiebel die Frage nach der Zukunft des Projekts.

Das Foto zeigt junge Wendehälse im Nistkasten ca. eine Woche nach dem Schlüpfen aus den Eiern. Foto (c) Jonas Nelhiebel, Naturpark Hirschwald