Drittklässler züchten vom Aussterben bedrohte Sommerschildkrebse
22.04.2026 09:52
Langsam und vorsichtig gießt ein Drittklässler aus der Grundschule Ursensollen Wasser in ein Glasbecken. Die Grundschule ist auch Naturpark-Schule und nimmt an einem besonderen Projekt teil. Die gesamte Klasse hatte sich vorher Mühe gegeben und das Aquarium speziell ausgestattet. Die Grundlage des Bodens ist Sand, darauf kam noch eine Handvoll Erde eines Maulwurfhügels, dazu eine Handvoll Blattlaub. Am Grund des Aquariums sind auch einzelne Erdklumpen zu sehen – darin sind die Eier der seltenen Krebse. Sobald Wasser auf die Krebseier trifft, beginnt neues Leben. Darauf sind die Kinder gespannt.
Triops cancriformis ist der wissenschaftliche Name des Sommerschildkrebses. Er ist ein Urzeitkrebs und bereits seit ca. 300 Millionen Jahren auf dem Planeten. Durch seine kurze Entwicklungsdauer vom Ei zum erwachsenen Tier ist er bestens angepasst an einen Lebensraum, den es kaum mehr gibt: Pfützen.
Mit dem Projekt „Pfützen für die Vielfalt“ möchte die höhere Naturschutzbehörde der Regierung der Oberpfalz ein Zeichen setzen und Licht ins Dunkel der Urzeitkrebse bringen. Wolfgang Nerb ist ganz fasziniert von den Tierchen und hat Naturpark-Ranger Jonas Nelhiebel angesteckt. Er wiederrum ist Ansprechpartner für die Ursensollener Grund- und Mittelschule. So kamen die Krebse nach Ursensollen.
Zusammen mit ehrenamtlichen Urzeitkrebsexperten hatte die Regierung der Oberpfalz bereits vor einigen Jahren aus wenigen letzten natürlichen Urzeitkrebslebensräumen ín der Oberpfalz erwachsene, heimische Krebse in menschliche Obhut genommen, um sie zu züchten und in anderen geeigneten Lebensräumen wiederanzusiedeln.
Da diese Art der Urzeitkrebse über einen kurzen Zeitraum mit überschaubarem Aufwand zu halten sind, ist das Zuchtprojekt hervorragend für ein Umweltbildungsprojekt an einer Grundschule geeignet. Ranger Jonas Nelhiebel ist überzeugt, dass die Kinder dabei viel lernen können: „Die Kinder sehen an den Krebsen viele natürlich Abläufe. Vor allem aber ist es für die Kinder wichtig, andere Lebensformen näher kennenzulernen. Es gibt eben nicht nur Säugetiere, die mehrere Jahre alt werden können. Einige Arten, wie z.B. Schmetterlinge, Libellen, oder eben auch Urzeitkrebse, leben nur sehr kurz als erwachsenes Tier. Den Rest ihres „Lebens“ verbringen sie als Ei oder Larve. Das Projekt kann viele schulische Themen wie Biologie, Erdzeitgeschichte, oder die schriftliche Dokumentation eines Projekts transportieren. Die Kinder lernen hier sehr praxisbezogen.“
Nun aber heißt es erstmal warten. Die ersten Krebse schlüpfen aber erst in ein paar Tagen aus ihren Eiern. Die Kinder sind schon gespannt. In ein paar Tagen weiß die Klasse dann auch, um wie viele junge Urzeitkrebse sie sich kümmern dürfen. Alles, was für die Pflege der Tierchen wichtig ist, haben sie jetzt erfahren.


